Bewegungsstörungen und psychiatrische Erkrankungen

Funktionelle Stereotaxie

Die Behandlungsoptionen der Funktionellen Stereotaxie werden bei folgenden Erkrankungen eingesetzt

  • Morbus Parkinson
  • Verschiedene Tremorformen (z. B. Essentieller Tremor, Holmes Tremor, Tremor bei Multipler Sklerose)
  • Dystonie
  • Zwangsstörungen

  • Tourette Syndrom
  • Depression
  • Alkohol- und Heroinsucht

  • Chronische Schmerzen

Tiefe Hirnstimulation THS

Für welche Erkrankungen wird die THS angewendet?

Die THS wird in der Regel dann eingesetzt, wenn medikamentöse Bemühungen die Symptome nicht mehr durchgreifend bessern können. Als anerkannte Indikationen gelten folgende Erkrankungen:

Bewegungsstörungen

  • M. Parkinson
  • Essentieller Tremor
  • Dystonie (generalisierte genetische Formen, cervikale Dystonie oder Torticollis, andere Formen der Dystonie)
  • Tremor bei multipler Sklerose

Psychiatrische Erkrankungen

  • Zwangserkrankung (OCD)
  • Tourette-Syndrom

Darüber hinaus können wir die THS im Rahmen von individuellen Heilversuchen oder durch Teilnahme an aktuellen Studien auch bei anderen Erkrankungen ggf. anbieten. Hierzu zählen:

  • Sucherkrankungen (Heroin- und Alkoholabhängigkeit)
  • Schwere Depression
  • Demenz
  • Chorea Huntington
  • Tremor nach Schädel-Hirn-Trauma oder nach Schlaganfall
Für welche Patienten ist die THS geeignet?

Die THS steht in der Regel nicht am Anfang der therapeutischen Möglichkeiten, sondern kommt zum Einsatz, wenn die nicht-operativen Behandlungsverfahren keine befriedigende Beschwerdelinderung mehr erreichen. So ist beim M. Parkinson das L-Dopa-Langzeitsyndrom mit Wirkschwankungen (sogenannte ON-OFF-Phasen) die klassische Indikation für die THS. Durch die Early-Stim-Studie konnte jedoch gezeigt werden, dass auch Patienten mit kürzerer Krankheitsdauer von der THS deutlich profitieren können.

Der Erfolg der Operation hängt entscheidend von einer sorgfältigen Auswahl der geeigneten Patienten ab. Wir erarbeiten in enger interdisziplinärer  Zusammenarbeit mit der Neurologie und der Psychiatrie die Kriterien für diese Indikationsstellung. Diese Voruntersuchungen, inklusiver neuropsychologischer Testungen werden in der Regel im Rahmen eines kurzen stationären Aufenthaltes durchgeführt. Zum Abschluss erfolgt dann eine interdisziplinäre Diskussion in der sogenannten DBS-Konferenz, zu der Patienten und Angehörige eingeladen werden. In dieser Konferenz wird dann auch besprochen, welches Zielkerngebiet für den jeweiligen Patienten geeignet ist. So gibt es z. B. für den Morbus Parkinson verschiedene Kerngebiete für die Stimulation, die je nach Beschwerdesymptomatik oder anhand neuropsychologischer Gesichtspunkte gewählt werden. Entscheidet man sich gemeinsam für eine Operation, folgen noch weitere Informations- und Aufklärungsgespräche mit dem Operateur.

Operationstechnik

Bei der stereotaktischen Implantation werden die Elektroden über ein kleines Bohrloch im Schädel mit Hilfe eines Zielgerätes an genau vorausberechnete Stellen im Gehirn platziert. Dazu wird ein sogenannter stereotaktischer Rahmen fest am Schädel verankert, an welchem dann das Zielsystem für die Elektrodenimplantation montiert wird. Als Alternative zum klassischen Zielsystem kann ein moderner Roboter die Zielgenauigkeit noch verbessern. Dieser Teil der Operation erfolgt in der Regel in Sedierung, kann aber auch in Vollnarkose durchgeführt werden. Während der Operation werden in Zusammenarbeit mit den Neurologen bereits elektrophysiologische und klinische Testungen durchgeführt, bei denen die Mitarbeit des Patienten gebraucht wird. Der Eingriff beginnt morgens mit dem Anlegen des stereotaktischen Rahmens und endet in der Regel am frühen Nachmittag.

Der Impulsgeber wird wie ein Herzschrittmacher in eine Brusttasche unter dem Schlüsselbein oder in die Bauchdecke eingepflanzt. Verbindungskabel zwischen Impulsgeber und Hirnelektroden verlaufen unter der Haut. Hierfür wird eine Vollnarkose gemacht.

Welche Symptome werden gebessert?

Die Schrittmacherimplantation im subthalamischen Kern (STN) kann bei bis zu 80 Prozent der Patienten mit Morbus Parkinson zu einer deutlichen Minderung der Muskelsteifigkeit und Bewegungsverarmung in der Körperhälfte führen, die der operierten Hirnhälfte gegenüberliegt. Bei bis zu 85 bis 90 Prozent der Patienten bessert sich darüber hinaus das Zittern bis hin zum völligen Verschwinden. Auch die Überbewegungen nach Medikamenteneinnahme werden beeinflusst. Bei Eingriffen in beiden Hirnhälften kann auch das Gehen und das Gleichgewicht verbessert werden. Da bislang weltweit eine größere Zahl von Patienten mit dieser Operation behandelt wurde, konnte bereits vielen Patienten geholfen werden.

Bei Patienten mit essentiellem Tremor oder tremordominantem M. Parkinson kann eine Stimulation im Thalamus (VIM) und dem unmittelbar darunter liegendem subthalamischen Areal (PSA) eine sehr deutliche Tremorreduzierung erreicht werden.

Bei den Formen der Dystonie stimuliert man in der Regel im Globus pallidus internus (GPI). Hier ist als Besonderheit zu sagen, dass die positive Wirkung erst verzögert nach Wochen oder Monaten auftreten kann.
Bei Morbus Parkinson sprechen die bisherigen Erfahrungen für ein langjähriges Anhalten der Effekte auf die Steifigkeit, die Bewegungsarmut, das Zittern und für einen anhaltenden Einspareffekt der Medikamente. Die Erkrankung wird jedoch durch die Operation nicht aufgehalten und schreitet langsam fort. Mit dem Fortschreiten der Parkinson-Krankheit kann es daher zu einem Neuauftreten von Beschwerden oder einer Verschlechterung der bestehenden Symptome kommen. Ziel der Behandlung ist es, durch die Kombination von Operation und Medikamenten den bestmöglichen Zustand für den Patienten zu erreichen.

Mögliche Nebenwirkungen

Verglichen mit anderen Hirnoperationen sind die Risiken einer stereotaktischen Hirnoperation sehr gering. Der Eingriff wird in Sedierung und örtlicher Betäubung durchgeführt und der Patient befindet sich in ständiger Überwachung durch einen Narkosearzt. Das Risiko einer Infektion der Wunden kann nicht ganz ausgeschlossen werden. Eine Hirnblutung mit ernsthaften Folgen stellt die am meisten gefürchtetste Komplikation dar und ist als ganz seltene Ausnahme anzusehen (Risiko ca. 1%).

Neben den rein operativen Risiken gibt es noch stimulationsbedingte Nebenwirkungen. Diese sind natürlich davon abhängig, in welchem Zielgebiet die Elektroden implantiert sind. Zu nennen sind hier u.a. eine undeutlichere Sprache, Gangunsicherheiten und Gleichgewichtsstörungen und insbesondere beim subthalamischen Kern (STN) auch psychische oder kognitive Nebenwirkungen. Durch eine sorgfältige Programmierung des Schrittmachers wird dann versucht, die Nebenwirkungen zu minimieren.

Falls Sie denken, dass Sie von einer Operation eine Verbesserung erwarten könnten und eine stereotaktische Operation in Erwägung ziehen, dann sollten Sie zunächst mit Ihrem Neurologen oder Psychiater sprechen. Er wird Ihnen erklären, ob alle Möglichkeiten einer medikamentösen Behandlung ausgeschöpft sind und gegebenenfalls Spezialisten zu Rate ziehen. Der nächste Schritt wäre dann eine ambulante Vorstellung in unserem Zentrum. Wir würden Sie dann gerne über dieses Behandlungsverfahren informieren und beraten.

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