Stereotaktische Radiochirurgie

Unter stereotaktischer Radiochirurgie versteht man ein spezielles Bestrahlungsverfahren, bei welchem Strahlung – im Gegensatz zur konventionellen fraktionierten Radiatio (Bestrahlung in mehreren Sitzungen) - mit deutlich erhöhter Dosis in wenigen Fraktionen (in der Regel 1-5 Betrahlungssitzungen ) von außen präzise gelenkt aus verschiedenen Richtungen auf ein klar umschriebenes Zielvolumen (z.B. Metastase, Akustikusneurinom, Meningeom) einer definierten Größe gelenkt wird. Dadurch bleibt die Belastung für den Großteil des umgebenden Gewebes niedrig während die so fokussierten Strahlen eine tödliche Dosis im Zielvolumen (Tumor) entfalten.

Das Prinzip der sogenannten Radiochirurgie wurde vom schwedischen Neurochirurgen Lars Leksell gemeinsam mit dem Physiker Börje Larsson 1968 entwickelt. Das von den beiden entwickelte so genannte Gamma-Knife wird bis heute in weiterentwickelter Form regelmäßig verwendet. Neben Diesem und weiteren verschiedenen rahmenbasierten Systemen (hierbei ist bei einigen Systemen die Fixierung des Kopfs des Patienten  in einem Rahmenerforderlich) gibt es auch robotik-assistierte Geräte, bei denen bei vergleichbarer Präzision eine Fixierung in einer offenen Maske ausreichend ist (z.B. das sogenannte Cyberknife).

In der Regel sollte bei der Durchführung einer Bestrahlung in einer einzigen Fraktion das Behandlungsvolumen nicht größer als 3 cm sein. Darüber hinaus kann eine so genannte hypofraktionierte Bestrahlung mit 3-5 Bestrahlungssitzung bei etwas reduzierter Dosis gerade mit dem Cyberknife angeboten werden. Für die Durchführung der Behandlung ist die Erstellung moderner Bildgebungen (CT / MRT) im Vorfeld erforderlich. Für die Bestrahlungsplanung wird dann durch einen radiochirurgie-erfahrenen Arzt (Neurochirurg / Strahlentherapeut) das Zielvolumen und umgebende Risikostrukturen eingezeichnet und gemeinsam mit einem Medizinphysik-Experten der Bestrahlungsplan erstellt. Neben Tumoren des zentralen Nervensystems (ZNS) im Gehirn und der Wirbelsäule   (hauptsächlich Metastasen, Akustikusneurinome, Meningeome, Hypophysenadenom-Reste oder -Rezidive sowie andere ausgewählte Tumoren) findet die Radiochirurgie auch Einsatz bei der Behandlung von ZNS- Gefäßmissbildungen (Arterio-Venöse Malformationen, Kavernome) oder bei der Behandlung von Gesichtsschmerzen, der sogenannten typischen Trigeminusneuralgie.

Die Behandlung kann je nach Vertragssituation mit der Krankenkasse ambulant angeboten werden. Insgesamt stellt die Radiochirurgie eine schonende, effektive und sichere Behandlungsoption dar, die im Kontext weiterer Behandlungsmethoden wie der neurochirurgischen Operation, der konventionellen Strahlentherapie  und medikamentöser Therapien individuell für den Patienten bei definierten Erkrankungen des ZNS (und mittlerweile darüber hinaus) interdisziplinär indiziert werden sollte. 

Das Cyberknife der Uniklinik Köln

An der Uniklinik wird das Cyberknife seit November 2011 für die stereotaktische Radiochirurgie verwendet und ersetzt die Radiochirurgie unter Verwendung des modifizierten Linearbeschleunigers (LINAC), wie sie seit 1993 gemeinsam mit den Kolleginnen und Kollegen der Strahlentherapie durchgeführt wurde. Hierbei ist eine invasive Ringfixierung nicht mehr notwendig und neben der üblichen Bestrahlung in einer Fraktion die Möglichkeit der Hypofraktionierung (Bestrahlung in 3 oder 5 Sitzungen gegeben).

Seit Inbetriebnahme sind mit dem Cyberknife über 1000 Patienten mit Hirnmetastasen, Meningeomen, Akustikusneurinomen, Hypophysenadenomresten/-rezidiven, arteriovenösen Malformationen und anderen Erkrankungen und Tumoren behandelt worden.

Die Indikation für die radiochirurgische Behandlung wird in der Regel interdisziplinär im Rahmen des Interdisziplinären Tumorboards gestellt und gemeinsam mit den Medizinphysik-Experten der Klinik für Stereotaxie und Funktionelle Neurochirurgie sowie mit den Strahlentherapeuten im Hause geplant und durchgeführt.

Die Beratung der Patienten mit Befunden am Gehirn und Rückenmark findet über die Neuroonkologische Sprechstunde in unserer Poliklinik statt. Gleiches gilt für die regelmäßige und nachhaltige Nachsorge der Patienten.

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