Spinale, periphere und zentrale Neuromodulation

In unserer Klinik werden die folgenden Verfahren bei den entsprechenden Schmerzerkrankungen angewendet.

SCS Therapie - Spinal Cord Stimulation - Epidurale Rückenmarkstimulation

Diese Methode wird seit 1977 in unserer Klinik mit Erfolg eingesetzt. Bereits sind mehr als 3000 Patienten mit dieser Methode behandelt worden. In den letzten 4 Jahren gab es eine gewaltige Entwicklung im technischen Bereich. Wir verfügen heute über wieder aufladbare Generatoren, die eine Lebensdauer von bis zu 25 Jahren haben. Darüber hinaus war es eine große Entwicklung im Bereich der Elektroden mit bis 32 Kontaktelektroden, damit man eine bessere Abdeckung hat. Zusätzlich haben sich neue Stimulationsmöglichkeiten entwickelt mit anderen Parametern und anderen Stimulationsformen, wie Burst-Stimulation, Whisper (sub-threshold bzw. Paraesthesien-Freistimulation) sowie eine Hochfrequenzstimulation mit 10.000Hz. Diese neuen Möglichkeiten haben gerade bei Rückenschmerzen eine gewaltige Verbesserung des Erfolges bis zu 80% gezeigt.

Bei folgenden Schmerzerkrankungen kommt dieses Verfahren zur Anwendung

  1. Chronischer Beinschmerz nach vorangegangenen Bandscheiben- oder Wirbelsäulenoperationen (Failed back surgery syndrome)

  2. Direkte oder indirekte Nervenverletzungen an den Armen oder Beinen mit ausstrahlenden Schmerzen (CRPS Typ I (Morbus Sudeck), CRPS Typ II)

  3. Phantom- oder Stumpfschmerzen

  4. Therapierefraktäre Angina pectoris (konservativ nicht behandelbare, attackenartige Brustschmerzen bei Verengungen der Herzkranzgefäße, die durch zusätzliche herzkranzerweiternde Operationen oder Medikamente nicht behebbar sind)

  5. Therapierefraktäre arterielle Verschlusskrankheit, pAVK (konservativ nicht behandelbare, attackenartige oder dauerhafte Beinschmerzen bei Verengungen der Beinschlagadern, die durch zusätzliche gefäßerweiternde Operationen oder Medikamente nicht behebbar sind)

  6. Pelvine oder Retropelvine Schmerzsyndrome – Schmerzen im Genital- oder Beckenbereich – sowie Blasenfunktionsstörungen und Erektile Dysfunktion durch Stimulation der Sakralnerven im Steißbein.

  7. Postzosterneuralgie (chronische, brennende Genital- oder Flankenschmerzen oder gürtelförmige Schmerzen im Bereich des Brustkorbs nach Herpes zoster- Virusinfektion)

  8. Chronischer Leistenschmerz nach mehrfachen Leistenoperation (Postherniotomiesyndrom)

Periphere Nervenstimulation (PNS)

Über die Anlage einer Elektrode auf einen teilweise verletzten und daher schmerzhaften, in seiner Kontinuität jedoch erhaltenen peripheren Nerven können durch die Gabe von Stromimpulsen Kribbelempfindungen im schmerzhaften Areal ausgelöst werden und dadurch die eigentlichen Schmerzen verringert werden. Konnektiert mit einem implantierten Impulsgenerator kann der Patient über sein eigenes Steuergerät die Stromstärke regulieren und an sein subjektives Schmerzempfinden anpassen. Die Batterieleistung beträgt je nachdem, wie häufig Sie die Stimulation nutzen mehrere Jahre. Neuste Impulsgeneratoren sind sogar wiederaufladbar.

Bei folgenden Krankheitsbildern wird dieses Verfahren angewandt:

  1. Chronische, auf ein bestimmtes Areal beschränkte Lumbalgien.
  2. Chronische Leistenschmerzen nach Verletzungen nach Nervenverletzungen.
  3. Chronische Arm- und Beinschmerzen nach Verletzungen z.B. von Nervus ulnaris, Nervus radialis, Nervus ischiadicus.

Periphere Nervenfeldstimulation (PNFS)

Es handelt sich um eine Implantation von einer oder mehreren Elektroden subkutan an die äußerste Grenze des Schmerzareales. Die Indikationen sind umschriebene Schmerzen im Rücken, gluteal, nach Leistenhernienoperation. Die Weiterentwicklung überall wo man ein umschriebenes Areal mit einem Durchmesser von 10 x 13cm hat. Nach einer perkutanen Testung ohne Schnitt wird bei einem guten Erfolg von mehr als 50% das permanente System (Elektrode + Impulsgeber) in ITN-Narkose implantiert. Die Methode ist sehr einfach ohne Risiken und ist bei älteren Pat. mit Spinalstenose, Osteoporose und Skoliose bestens indiziert, da aufwändige Operationen in diesem Alter nicht ohne Risiken durchgeführt werden können. 

Dorsal Root Ganglionstimulation (DRG)

Genaue Kenntnisse über die genaue anatomische Verteilung der betroffenen Nervenwurzeln in Bezug auf das Schmerzsyndrom im spinalen Ganglion erlauben bei entsprechender Indikation eine gezielte Stimulation der betroffenen Nervenwurzel. Die Operation entspricht der Implantation einer Elektrode zur spinalen epiduralen Stimulation, allerdings ist die Platzierung der Elektrode aufwändiger. So wird eine feine Elektrode durch das Foramen extraforaminal platziert und man kann eine Stimulation des betroffenen spinalen Ganglion durchführen.

Die Hauptindikation sind Fußschmerzen sowie Schmerzen nach Leistenhernienoperation. Das gleiche gilt für Schmerzen bei CRPS I im lumbalen und zervikalen Bereich.

Zentrale Neuromodulation

1. Motor Cortex-Stimulation MSC-Stimulation des motorischen Hirnareals

Über die Implantation einer Plattenelektrode auf die Dura mater (Harte Hirnhaut) oberhalb der motorischen Hirnrinde gelingt über eine nicht wahrnehmbare Stimulation des Motorcortex die Hemmung zentraler Leitungsbahnen und dadurch eine Verbesserung der Schmerzsymptomatik. Mit einem unterhalb des Schlüsselbeins auf dem Brustmuskel implantierten Impulsgenerator kann der Patient über ein eigenes Steuergerät diesen je nach subjektivem Schmerzempfinden an- und ausschalten. Die Batterieleistung ist je nach Nutzung des Stimulators auf mehrere Jahre ausgelegt, wobei auch schon wiederaufladbare Impulsgeneratoren verwendet werden.

Bei folgenden Krankheitsbildern wird dieses Verfahren angewandt:

  • Phantomschmerzen
  • Thalamusschmerz
  • chronischer Armschmerz nach Armplexusläsionen

2. Tiefe Hirnstimulation bei Schmerzen

Bei zentralbedingten Schmerzen nach Schlaganfall oder nach Verletzungen und Auftreten von zentral neuropathischen Schmerzen, wie bei Anaesthesia dolorosa ist als letzte Option eine tiefe Hirnstimulation mit Implantation der Elektroden stereotaktisch in den schmerzspezifischen und unspezifischen Arealen. Die Operationstechnik entspricht der Implantation der Hirnelektroden bei Bewegungsstörungen sowie der Anschluss an einen Impulsgeber.

Bei folgenden Krankheitsbildern wird dieses Verfahren angewandt:

  • Anaesthesia dolorosa
  • Thalamische Schmerzen nach Schlaganfall
  • Schmerzen nach Armplexusläsion
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